Das Buch untersucht die Frage, ob der Euro als Katalysator oder Sprengsatz der EU-Integration zu betrachten ist. Im Vorwort diskutieren Frieder Otto Wolf und Klaus Dräger die klassischen Argumente für den Euro; etwa die These, dass der Euro es der EU erlaube, als "global player" der Anarchie der Finanzmärkte zu widerstehen. Ein Weltwährungssystem mit drei aktiv um die Weltgeldrolle kämpfenden Währungen wäre im Gegenteil durch vermehrte Instabilität geprägt. Ebenso unhaltbar sei die These, der durch den Euro vollendete Binnenmarkt werde durch die Verschärfung der Konkurrenz die Korrektur eines sozialen Europa erzwingen: Der Fortschritt des Binnenmarktes bringe keine Reformen hervor, der die durch ihn geschaffenen Probleme löse. Dass der Euro die Gewerkschaften dazu zwinge, vermehrt etwa auch bei Lohnverhandlungen zusammenzuarbeiten, sei unrealistisch: Voraussetzungen für europäische Lohnkartelle würden noch für lange Zeit nicht gegeben sein, wenn überhaupt je.
Dem herrschenden neoliberalen Block gelte die Währungsunion als willkommenes Vehikel, US-amerikanische Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt durchzusetzen und die materiellen und politischen Bedingungen für gesellschaftliche Solidarität dauerhaft abzuräumen (S. 18). Die Währungsunion solle laut neo-liberalem Credo zu noch grösseren Kostensenkungen führen. Die entsprechenden Rationalisierungen würden sich ungünstig auf den Arbeitsmarkt auswirken.
Im Hauptteil wiederholen Heiko Glawe und Markus Schröder die klassischen Kritikpunkte gegen den Euro: (1) die konjunkturell und damit arbeitsplatzpolitisch negativen Konsequenzen der Konvergenzkriterien. (2) die negativen Konsequenzen der Währungsunion auf die Arbeitsplätze im Falle ungleicher Schocks, da den Staaten jegliche Möglichkeit genommen wird, eine eigenständige Wirtschaftspolitik zu betreiben. Einerseits fällt der Währungsmechanismus weg, andererseits werden durch die Stabilitätskriterien haushaltspolitische Handlungsmöglichkeiten ausgeschlossen. Ungleiche Schocks können somit - angesichts nur unbedeutender Arbeitskräftemobilität - nur mehr durch Lohn- und Preissenkungen oder dann durch Arbeitslosigkeit aufgefangen werden.
Diese WWU-kritischen Gesichtspunkte werden im Buch allerdings mit einer im Prinzip währungsunionsfreundlichen Grundtendenz verbunden, die sich schlecht mit dieser Kritik verträgt. Punkt (2) gilt auch für eine WWU mit einer sozialen Komponente, sofern die Ausgleichszahlungen zwischen den Ländern und Regionen der EU nicht astronomische Zahlen erreichen. Die schlecht verdeckte Spannung entsteht durch die Auffassung, dass eine Schwächung der EU eine "Renationalisierung" darstelle, obwohl diese vielmehr als Redemokratisierung betrachtet werden müsste. Durch die Verurteilung jeder Alternativen jenseits der EU als "Nationalismus" oder "Renationalisierung", wird die Perspektive der Autoren euronational beschränkt. Eine Reorganisation des Weltwährungssystems, die den traditionellen Staaten wieder einen wirklichen wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum gewähren würde, wird nicht in Betracht gezogen. Man klammert sich an die "Idee Europa", wider besseres Wissen um die Unmöglichkeit, in absehbarer Zeit in diesem Raum die nötigen arbeitsplatzpolitischen und sozialen Politiken entwickeln zu können. Der keynesianische Ansatz einer Clearing-Union wird nur für die ausserhalb der WWU stehenden Staaten Europas diskutiert, obwohl deren Verwirklichung in Europa oder gar weltweit das Argument, der wirtschaftspolitische Handlungsspielraum der "Nationalstaaten" sei durch die Globalisierung ohnehin verschwunden, hinfällig machen würde (siehe zu diesen Fragen EM 2/96; auf diese Nummer des EM wird im Vorwort des Buches übrigens verwiesen).
Heiko Glawe, Markus Schröder, Der Euro und die "Idee Europa": Katalysator oder Sprengsatz für die europäische Integration?, Hamburg, VSA, 1997.
