Martin Zbinden legt mit seinem Buch, das in der Reihe "Stämpflis juristische Lehrbücher" erschien, eine fast immer nüchterne und sachliche Darlegung der Institutionen und die Entscheidungsverfahren der Europäischen Union vor. Damit hebt sich das Buch sehr angenehm von üblichen akademischen Publikationen ab, deren Autoren sich leider oft verpflichtet fühlen, statt Wissenschaft und Informationsaufbereitung Propaganda zu betreiben (Cottier, Epiney, Linder, Germann). Zudem ist das Buch (als Buch) sehr aktuell. Die Entscheidungsprozesse nach Amsterdam werden detailliert aber trotzdem prägnant geschildert, bevor der Amsterdamer Vertrag offiziell in Kraft getreten ist.
Im ersten Teil des Buches werden die Institutionen der EU dargelegt. Ein historischer Überblick beschreibt in nützlicher Kürze die Entwicklung der vertraglichen Grundlagen der einzelnen Institutionen. Abgehandelt werden auch die Sitzfrage, die Stimmrechte der Mitgliedstaaten. Bei den Ausführungen zum EU-Parlament wird die Sitzverteilung der einzelnen Staaten angegeben. Die Kompetenzen des Parlamentes werden ausführlich beschrieben. Nur hier gibt Zbinden seine bei ihm sonst übliche Zurückhaltung manchmal etwas auf, wenn er etwa von wichtigen Kompetenzen und echten Mitentscheidungsrechten spricht (S. 82) - so als wolle er den antidemokratischen Aspekt der EU wegreden. Zuletzt beschreibt er die Struktur des Wirtschafts- und Sozialausschusses, den durch Maastricht neu geschaffenen Ausschuss der Regionen, die Europäische Investitionsbank, die Europäische Zentralbank, die Agenturen und die Kontrollorgane der EU. Im zweiten Teil des Buches erläutert Zbinden ausführlich die komplexen Entscheidungsverfahren der EU. Ein wirklich nützliches Buch! pr.
Martin Zbinden, Die Institutionen und die Entscheidungsverfahren der Europäischen Union nach Amsterdam, Bern, Stämpfli, 1999 (das Buch gibt es auch auf Französisch: Les institutions et les procédures de prise de décision de l'Union européenne après Amsterdam)
