Es handelt sich um eine Artikelsammlung, die von Thomas Cottier und Matthias Oesch herausgegeben wurde. Die Artikel stellen ausgebaute Fassungen von Referaten dar, die anlässlich einer Fachtagung vom 28. Februar 02 an der Universität Bern (Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Bern) gehalten wurden. Im Vorwort schreiben die Herausgeber: "Am 1. Juni 2002 traten mit den sektoriellen Abkommen erstmals Verträge in Kraft, welche aus materieller Sicht eigentliches Integrationsrecht zum Inhalt haben. Sie gehen inhaltlich teilweise weit über das hinaus, was bislang im Rahmen der schweizerischen Europapolitik und völkerrechtlichen Verträgen Geltung hatte. Die neuen Instrumente übernehmen weite Teile des relevanten EG-Rechts und führen dessen Inhalte teilweise unmittelbar ins schweizerische Recht ein." S. VII. Die Tagung widmete sich den rechtlichen Fragen der Umsetzung dieser "weiten Teile des relevanten EG-Rechts". Man beschränkte sich dabei auf abgegrenzte Fragen – auf die Behandlung des umfangreichen Agrarabkommens und seinen "nicht voll absehbaren Wirkungen" wurde an der Tagung verzichtet.
In der Einleitung weisen die Herausgeber auf den wachsenden Einfluss der internationalen Sphäre auf. Während das Freihandelsabkommen von 1972 und frühere Handelsrunden noch ohne namhafte gesetzliche Anpassungen auskamen, lösten spätere Vertragswerke umfangreiche Anpassungen der Gesetzgebung aus. Das gilt für die Uruguay-Runde des GATT (1986-1993), wie auch für den abgelehnten EWR-Vertrag, in dessen Folge wesentliche Anpassungen zur Verschärfung des Wettbewerbs im Rahmen der sogenannten Swiss-Lex-Vorlagen vorgenommen wurden. Im Rahmen der Genehmigung der Uruguay Runde wurden nicht weniger als 17 Bundesgesetze geändert bzw. neu geschaffen. Die Swiss-Lex Vorlagen hatten 27 Gesetzesrevisionen auf Bundesebene zum Gegenstand. Dazu kam die autonome Annahme des revidierten Kartellgesetzes und des Binnenmarktgesetzes, welche einen engen Bezug zur Rechtsentwicklung der EG aufweisen. Die sektoriellen Abkommen von 1999 lösten schliesslich insgesamt 23 Gesetzesänderungen auf Bundesebene aus. Nicht mitgezählt sind hier zahlreiche Revisionen, die auf die seit 1988 praktizierte Politik der Europakompatibilität des schweizerischen Rechts zurückgehen.
Walter Kälin untersucht die Anpassungen und Rechtsprobleme im Bereich des schweizerischen Ausländerrechts, welche sich mit der Einführung und Anwendung des Abkommens über die Freizügigkeit ergeben. Thomas Locher gibt einen Überblick über die Auswirkungen des Freizügigkeitsabkommens auf das schweizerische Sozialversicherungsrecht. Fritz Rothenbühler widmet sich in seinem Artikel den Auswirkungen des Freizügigkeitsabkommens auf die Dienstleistungsfreiheit insbesondere für Rechtsanwälte. Roland von Büren erläutert die Auswirkungen des Luftverkehrsabkommens auf das schweizerische Wettbewerbsrecht. Regula Dettling-Ott beleuchtet das Luftverkehrsabkommen mit Blick auf die Rechtsstellung der Flugpassagiere. Sivlio Arioli widmet sich dem Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen und damit dem Abbau von technischen Handelshemmnissen. Ulrich Zimmerli gibt einen Überblick über das internationale Regelwerk des öffentlichen Beschaffungswesens. Thomas Cottier und Erik Evtimov schliesslich befassen sich mit Fragen und Problemen des Rechtsschutzes.
Cottier, T., Oesch, M., Die sektoriellen Abkommen Schweiz - EG: Ausgewählte Fragen zur Rezeption und Umsetzung der Verträge vom 21. Juni 1999 im schweizerischen Recht. Tagung vom 28. Februar 2002 an der Universität Bern, Bern, Stämpfli, 2002.
