W. Luthardts Untersuchung ist mehr politologisch denn verfassungsrechtlich angelegt. Bei mangelnden Kenntnissen der verschiedenen westeuropäischen Verfassungen werden manche seiner Ausführungen schwer verständlich. Entscheidend bei einer politologischen Analyse direktdemokratischer Institutionen ist unter anderem die Frage nach der Auslösungskompetenz von Volksabstimmungen. Bei der Diskussion der direkten Demokratie in der Weimarer Republik (20er Jahre in Deutschland) sucht man diesbezüglich vergeblich Angaben. Relativ ausführlich wird von Luthardt die Demokratie-Diskussion von Schweizer Politologen behandelt (Germann, Linder, Neidhard). Deren kritische bis ablehnende Haltung der direkten Demokratie gegenüber stellt er erzählend dar, ohne eine eigene kritische Auseinandersetzung mit diesen Standpunkten zu liefern. Die Argumente von Bruno S. Frey, die in der Tradition der "public choice"-Tradition stehen und die direkte Demokratie befürworten, werden demgegenüber nicht reflektiert. Interessant ist seine Darstellung der verschiedenen EU-EG-Referenden. Luthardt stellt diese jeweils in den politischen und spezifischen Kontext eines jeden der Länder. pr.
W. Luthardt, Direkte Demokratie: Ein Vergleich in Westeuropa, Baden-Baden, Nomos, 1994.
