Schweden stimmt über den Euro ab
In Schweden wird am 14. September des kommenden Jahres über die Einführung des Euro abgestimmt. Darauf haben sich die Vorsitzenden der im Reichstag vertretenen Parteien am Freitag geeinigt. Zwar hätten die konservative Moderate Partei sowie die Liberale Volkspartei die Volksabstimmung gerne schon im Frühling durchgeführt, aber letztlich konnte sich offenbar der sozialdemokratische Regierungschef Göran Persson durchsetzen, der sich seit längerem für einen Herbsttermin ausgesprochen hatte. Die sozialistische Linkspartei und die grüne Umweltpartei, die beide gegen den Euro sind, hätten die Abstimmung am liebsten noch länger hinausgezögert. Ein Sprecher der Grünen sagte, je länger man mit der Abstimmung warten könne, desto offensichtlicher würden die Fehler der Währungsunion.
An einer eilends einberufenen Pressekonferenz wollte Persson dem Datum allerdings keine allzu grosse Bedeutung beimessen. Am wichtigsten sei es, dass die Parteien überhaupt zu einer Einigung gekommen seien, meinte er. Natürlich sei es für die Ja-Seite von Vorteil, die Abstimmung nach dem Sommer abzuhalten, gestand er ein, denn dann hätten die Schweden eine weitere Gelegenheit, bei Auslandreisen Erfahrungen mit der Einheitswährung zu sammeln. Falls sich eine Mehrheit für den Euro ausspricht, könnte Schweden die neuen Noten und Münzen zu Beginn des Jahres 2006 einführen. Noch nicht geklärt ist, ob der formelle Eintritt des Landes in die Währungsunion zum selben Zeitpunkt oder ein Jahr früher erfolgen würde.
Am 17. Dezember werden die Parteichefs weitere offene Fragen rund um die Abstimmung abklären. Sie müssen sich erstens auf den genauen Wortlaut der Abstimmungsfrage einigen, zweitens über die Verteilung der für die Kampagne zur Verfügung gestellten Mittel entscheiden und drittens zur Frage Stellung nehmen, ob an der Volksbefragung nur schwedische Staatsbürger teilnehmen dürfen oder ob auch Ausländer, die seit mehr als drei Jahren in Schweden wohnhaft sind, ihre Stimme abgeben dürfen. Ausländer wurden bereits zur Abstimmung über den EU-Beitritt zu- gelassen, und sie können auch an kommunalen und regionalen Wahlen teilnehmen. Die Frage der Mittelverteilung ist politisch noch heikler. Eine Verteilung der Gelder entsprechend der Parteienstärke kommt offenbar nicht in Frage. Die drei gegen den Euro eingestellten Parteien (neben den Grüen und den Sozialisten auch die bürgerliche Zentrumspartei) haben zwar nur 71 der 349 Sitze im Parlament. Sie sind aber der Meinung, dass sie in der Frage der Währungsunion einen weit grösseren Teil der Bevölkerung vertreten und entsprechend finanziert werden müssen.
Volksabstimmungen haben in Schweden nur eine beratende Funktion und sind nicht bindend für das Parlament. Politisch ist allerdings kaum vorstellbar, dass sich die Politiker einem Abstimmungsresultat widersetzen, und Göran Persson sicherte der Öffentlichkeit an der Pressekonferenz vom Freitag auch zu, dass das Resultat respektiert und in einen Reichstagsbeschluss umgesetzt werde. Als einen der wichtigsten Grunde für einen Euro-Beitritt nannte er die Osterweiterung der Union. Bald werde eine Reihe von Ostsee-Anrainerstaaten Mitglied der EU sein und den Euro einführen - und Schweden sei doch Teil dieser Region, die zu den am raschesten wachsenden Gegenden der EU gehöre.
Persson rechnet mit einem knappen Abstimmungsergebnis. Auch Meinungsumfragen lassen keine Vorhersage darüber zu, wie sich die Schweden entscheiden werden. Auffallenderweise gibt es Euro-Gegner in allen politischen Lagern, auch wenn ihr Anteil unter Sozialisten und Grünen grösser sein dürfte als unter bürgerlichen Wählern. In den letzten Wochen haben sich mehrere liberale Ökonomen und Wirtschaftsvertreter gegen die Währungsunion ausgesprochen, etwa der ehemalige Reichsbankchef Bengt Dennis oder der Wirtschaftsprofessor Karl-Gustaf Löfgren. Auch in der sozialdemokratischen Regierung finden sich Gegner der Währungsunion, z. B. der Wirt- schaftsminister Leif Pagrotsky. NZZ, 30.11/1.12, S. 21
