Beat Leuthardt - Verfasser von ,Festung Europa: Asyl, Drogen, `Organisierte Kriminalität', Zürich, 1994 - hat erneut ein Buch zu seinem Spezialgebiet ,Festung Europa" geschrieben. Diesmal liegt sein Schwerpunkt nicht auf dem Asylbereich, sondern auf den Gefahren der EU-EFTA-weiten EDV-Vernetzung. Er weist dabei auf die Gefahren der schnellen Informationsvermittlung hin: Fehler können sich für Individuen verheerend auswirken. Mangels Kontrollmöglichkeiten durch die Bevölkerung können gespeicherte Fehlinformationen kaum verbessert werden.
Zu Beginn des Buches gibt Leuthardt einige konkrete Beispiele, die einem das Fürchten lernen könnten: "Die Angehörigen der britischen Familie de Garis mussten sich in einem Einkaufszentrum in der portugiesischen Algarve einer Leibesvisitation unterziehen und sich in bereitstehende Polizeiwagen zerren lassen. Niemand sagte ihnen, worum es ging. "Schnauze, wir sprechen kein Englisch!" bekam Mike de Garis zu hören: Handschellen, Fingerabdrücke, 24stündige Haft. Aufgrund von falschen Informationen, die via europäisches Datenverbundnetz zu Portugals Fahndern gelangt waren, war Mike de Garis als Chef eines internationalen Drogenrings identifiziert worden. 30 Stunden später wurde er freigelassen, ohne Entschuldigung" (S. 11).
In Leuthardts Buch findet sich auch Interessantes über die Vernetzung der Schweiz mit dem Ausland: "Offenheit" zwecks überwachung und Abschottung. "Währenddessen bedauern Schweizer Polizeiverantwortliche aller hierarchischen Ebenen und viele Politiker zutiefst, mangels Volkswillen im Alpenand bei den europäischen Polizeigremien formell nicht dabeisein zu können - und halten ihre Hardware, ihre Betriebssoftware und ihre Dateien nach dem Motto: "Allzeit bereit" auf EU-Standard." (S 47) Das Buch weist zudem eine kurze Liste mit weiterführender Literatur auf. pr.
Beat Leuthardt, Leben online: Von der Chipkarte bis zum Europol-Netz; Der Mensch unter ständigem Verdacht, rororo aktuell, Reinbek, 1996.
