"Neutralität oder Euromilitarismus" ist eine Artikelsammlung (21 Autorinnen und Autoren), die vor der österreichischen EU-Beitrittsabstimmung erschien. Die Artikel repräsentieren unterschiedliche Ansätze und Haltungen. Das Thema "Neutralität" gerät dabei oft etwas aus dem Blickwinkel; dafür werden die verschiedenen Aspekte der EU-Integration unter friedenspolitischen und allgemeineren Gesichtspunkten analysiert. Die Neutralitätsdiskussion wird in den Zusammenhang des Grossmachtstrebens der EU gestellt: "Die über die Westeuropäische Union installierte Verteidigungskomponente der EU ist weder Ansatz eines kollektiven noch kooperativen Sicherheitssystems, sondern sie ist die mögliche Etablierung eines eigenständigen Militärblocks" (Einleitung). "Imperien dulden kein Abseitsstehen, und ihre Apologeten sehen in Zurückhaltung bereits eine kritische Haltung, die potentiellen Widerstand ahnen lässt. Wenn zu machtpoltischen Grundlagen noch ein ideologischer Überbau kommt, wird der Neutrale zum Ketzer, der ärger als der erklärte Feind die gute Sache in Zweifel zieht" (p. 27)
Interessant sind die Ausführungen zu den Menschenrechten als westlicher Ideologie. Es wird nachgewiesen, dass der Westen Menschenrechtsverletzungen vor allem dann anprangert, wenn dies in den Kram paßt - um etwa einen Interventionskrieg oder ein Embargo zu rechtfertigen. Diese werden jeweils dann angezettelt, wenn strategische oder wirtschaftliche Interessen auf dem Spiele stehen. Wenn die westlichen Interessen nicht tangiert sind oder wenn deren Realisierung gar von autoritären Regimes abhängt, übersieht man Menschenrechtsverletzungen leicht und gerne. Bei dieser berechtigten Kritik am westlichen Verhalten wird im Buch allerdings zuwenig unterschieden zwischen den Menschenrechten als solchen und deren ideologischen Mißbrauch.
Gerold Ecker, Christian Neugebauer (Hrsg.), Neutralität oder Euromilitarismus: Das Exempel Österreich, Wien, ProMedia, 1993.
