Postkeynesianismus

Der australische Ökonom John E. King legt mit dem Buch «Postkeynesianismus: eine Einführung» eine Darlegung des sogenannten «Postkeynesianismus» dar. Darunter versteht man eine auf John Maynard Keynes' Hauptwerk «Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes» fussende makro-ökonomische Denkrichtung, die dessen Inhalte in spezifischer Weise interpretiert. Oft werden auch Arbeiten des polnischen Ökonomen Michal Kalecki berücksichtigt.

Ein wichtiger Ausgangspunkt stellt die Feststellung dar, dass das Niveau von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit auf den Gütermärkten bestimmt wird – und nicht auf dem Arbeitsmarkt. Tiefere Löhne führen entsprechend nicht zu einer Auflösung von Arbeitslosigkeit. Bezüglich der Analyse von Arbeitslosigkeit muss man vielmehr den gesamtwirtschaftlichen Kontext berücksichtigen. Zudem ist unfreiwillige Arbeitslosigkeit auf unzureichende effektive Nachfrage und nicht auf Unzulänglichkeiten des Arbeitsmarktes zurückzuführen. Die neoklassischen Arbeitsmarktmodelle machen Annahmen, die in der Wirklichkeit nicht anzutreffen sind.

Eine empirisch angemessene makro-ökonomische Theorie stellt den Zusammenhang von Gesamtinvestitionen und Ersparnisse in ihren Mittelpunkt, wobei die Investitionen zum Sparen führen (und nicht umgekehrt). Investitionen sind für die Gesamtbeschäftigung, die Produktion und das Einkommen einer Volkswirtschaft entscheidend. Die Konsumausgaben steigen oder fallen mit dem gesamtwirtschaftlichen Einkommen, hängen also von den Investitionen ab. Investitionsentscheidungen werden nicht vom rationalen Unternehmer getroffen, der Kosten und Erträge genau im Voraus bestimmen kann, sondern von Personen, deren Wissen notgedrungen beschränkt ist und die mit viel Bauchgefühl operieren müssen. Die Post-Keynesianer betonen zudem die Wichtigkeit des Geldsystems – Geld ist nicht einfach als Tauschmittel zu verstehen, sondern spielt eine wichtige makro-ökonomische Rolle (Investitionen!).

Die post-keynesianische Theorie steht im Dienste folgender wirtschaftspolitischer Ziele: Vollbeschäftigung, eine niedrige, aber positive Inflationsrate, gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen und schliesslich Finanzstabilität. Gemäss King interessiert sich die Mainstream-Ökonomie für die letzten beiden Ziele überhaupt nicht. Das erste dieser Ziele erscheint nur indirekt über die Betrachtung der Kluft zwischen tatsächlichem und potenziellem Produktionsoutput.

In einem der Kapitel wird die Finanzkrise von 2007/2008 analysiert. Als Fazit hält King fest, dass sich die Denkschule der neoliberalen Mainstream-Makro-Ökonomie als sehr widerstandsfähig erwiesen hat. Darin liege eine grosse Ironie. Wären nämlich die neoliberalen Politikkonzepte tatsächlich angewandt worden, wäre es zu einer Grossen Depression im Stile der 30er Jahre gekommen. Trotzdem hält sich der neoliberale Mainstream. Zweitens hat sich gezeigt dass auch im Zeitalter der Globalisierung der «Nationalstaat» weiterhin eine grosse Bedeutung hat. Die Massnahmen der Staaten, um den grösstmöglichen Schaden abzuwenden, waren entscheidend. Drittens hat sich die Grunddoktrin des Neoliberalismus, nach der es für alle sozialen Probleme eine Marktlösung gibt, und dass dort ein Markt geschaffen werden soll oder muss, wo er noch nicht existiert, als volkswirtschaftlicher Unsinn erwiesen.

Das Buch ist interessant, aber nicht immer ganz einfach. Vor allem die Ausführungen, die Geld und Inflation betreffen, sind recht schwierig zu verstehen.

John E. King, Post-keynesianismus: Eine Einführung, Wien: ProMedia (Edition Makroskop)

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