Karin Beckmann legt eine detaillierte Analyse der Zentrum-Peripherie-Problematik der EU dar. Nach einer Einführung, in der mit Hilfe (mikro)-ökonomischer Terminologie Demokratieproblem, Nutzen und Kosten verschiedener Entscheidungsverfahren, Zentralisierung und Dezentralisierung in der EU diskutiert werden, wird das eigentliche Thema der Arbeit angegangen. Dabei ergeben sich von Beginn weg Probleme mit der Datenbasis. Die Auswahl des Abgrenzungskriteriums von Regionen übt ,erhebliche Einflüsse auf die Existenz und die Grössenordnungen regionaler Disparitäten bezüglich bestimmter ökonomischer Merkmale" aus. Ergebnisse sind somit jeweils mit Vorsicht zu geniessen. Beckman beschränkt sich auf die Verwendung von Datenmaterial der EG und auf die relativ kurze Periode von 1980-1888. Dabei ergibt sich ein schwache Zunahme der Disparitäten der EG-Regionen von 26,1 zu 27,5 (BIP pro Einwohner zwischen den Regionen der Gemeinschaft in Kaufkraftparitäten).
Ebenfalls bei der Beschäftigung ergab sich eine Zunahme der Disparitäten von 3,7 zu 4,2 (Differenzen der Arbeitslosenquote). Beckmann unterzieht die verschiedenen ökonomischen Theorien bezüglich der Auswirkungen von Binnenmärkten auf die regionale Ressourcenallokation einer kritischen Analyse. Dabei entwickelt sie auch eine lesenswerte Darstellung der Grundaussagen der ökonomischen Theorie des Föderalismus bezüglich der Aufgabenzuweisung in föderativen Systemen: ,Eine Dezentralisierung kann sich [..] als vorteilhaft erweisen, wenn regionale Unterschiede in den Präferenzen der Individuen bestehen, die im Fall der Zentralisierung der Aufgabenerfüllung möglicherweise nicht in ausreichendem Umfang Berücksichtigung finden. Werden öffentliche Güter von der Zentralebene angeboten, so wird bezüglich der Art und der Menge des Angebots vermutlich anstelle einer präferenzgerechten regionalen Differenzierung eher eine einheitliche Lösung getroffen werden."(S. 78).
Karin Beckmann, Probleme der Regionalpolitik im Zuge der Vollendung des Europäischen Binnenmarktes, Bern, Peter Lang, 1995.
